Dr. Millers Experimente

Posted in Erzählungen with tags on 17. März 2015 by Marmeladenglasmuse

Es kam mit der Morgenpost: ein ganz normal aussehendes Paket in braunem Packpapier und verschnürt mit derber Doppelschnur. Es unterschied sich in nichts von den Tausenden anderer Pakete, wie sie die Postboten täglich austragen. Mit diesem aber hatte es eine besondere Bewandtnis – eine ganz besondere …

Mr. Andrews war wohl der gewissenhafteste Postbote, den man 1838 in ganz Little Uppton finden konnte, aber niemand brachte ihn dazu, ein Paket an Dr. Miller auszutragen. Dessen fixe Ideen waren ihm zu gotteslästerlich und passten allenfalls in die Straßen von London, aber nicht in das beschauliche Little Uppton.

Und so trug Miss Mary Mayweather, deren Onkel das Postamt gehörte, das Paket an einem Lederriemen über den Feldweg zur Hütte von Dr. Miller. Am liebsten wäre sie vor Vorfreude auf die Begegnung gelaufen, doch sie fürchtete, in dem Paket könnte etwas Zerbrechliches sein. Sie interessierte sich sehr für die skurrilen Apparaturen des Doktors und wollte nicht schuld daran sein, wenn etwas durch ihren Übermut zu Schaden kam.

Ihr Blick glitt über die einst mit Getreide bestellten Felder. Seit Wochen hatte es keinen Tropfen Regen mehr gegeben und die zarten Pflanzen ließen ihre Köpfe hängen. Der Weg war von tiefen Rissen durchzogen, das Laub der Büsche in mattem Gelbgrün erschlafft. Durch die flimmernde Luft erkannte Mary die Hütte des Doktors und beschleunigte ihre Schritte.

„Dr. Miller“, rief sie durch die offen stehende Tür. „Ich habe ein Paket für Sie.“ Als niemand antwortete trat sie in den überraschend kühlen Raum. Im vergangenen Jahr hatte sie Dr. Miller dabei zuschauen dürfen, wie er aus Salz und Eis kleine Kühlkissen hergestellt hatte. Diese hingen nun in Trauben von der Decke und vertrieben die Wärme.

Mary schritt die langen Tischreihen ab, die vollgestellt waren mit allerlei Gläschen, braunen verkorkten Flaschen, aufgeschlagenen Büchern in lateinischer und altgriechischer Sprache. Es blubberte und brodelte, es gluckerte und gurgelte in den zahlreichen mit Schläuchen verbundenen Kolben. Dazwischen lagen Werkzeuge, Metallplättchen, bronzene Zahnräder und seltsam aussehende, mit Leder überzogene Metallzylinder.

Und inmitten dieses Balletts aus Gefäßen und Gebräuen fand sie Dr. Miller, wie er gerade eine blassblaue Flüssigkeit in einen solchen Zylinder füllte. Er trug sein mit einem Vergrößerungsglas versehenes Monokel. Sein Hemd war fleckig und er hatte dem Anschein nach seit Tagen weder richtig gegessen noch geschlafen.

„Dr. Miller?“

Wie vom Donner gerührt sprang der junge Mann auf. „Oh! Miss Mary. Ich habe Sie gar nicht bemerkt.“ Eilig stellte er die Gerätschaften ab, wischte sich die staubigen Hände an der ebenso verschmutzen Hose ab und sah sich vergeblich nach einer Sitzmöglichkeit für Mary um.

Mit einem Kichern reichte sie ihm das Paket. „Das ist heute für Sie eingetroffen.“

Ein Strahlen legte sich auf seine Züge, als er hastig die Verpackung aufriss. „Endlich! Darauf habe ich schon seit Tagen gewartet.“ Er hob zwei durchscheinende Kugeln mit einer silbrig glänzenden Flüssigkeit darin aus einem Bett aus Holzwolle, ging zum Fenster und Begutachtete sie.

„Was genau bauen Sie denn gerade?“ Mary hatte sich über den Metallzylinder gebeugt und betrachtete fasziniert das Labyrinth aus Kolben und Schläuchen darin. Es erinnerte sie an das filigrane Zusammenspiel der Zahnräder, Wellen und Federn in der Taschenuhr ihres Onkels. Die losen Enden zweier Schläuche ragten aus dem Innenleben des Zylinders heraus.

Dr. Miller trat neben Mary und verband die Gewinde der Glaskugeln mit den Schlauchenden. Anschließend verschloss er den Zylinder mit einem Kupferdeckel, aus dem ein kleines Röhrchen herausragte.

„Wollen Sie es vielleicht mit mir zusammen testen?“

Mary nickte und folgte dem Doktor, der den Zylinder draußen auf dem Feld abstellte. Dann lief er zurück, holte zwei Reagenzgläser aus der Hütte und hielt inne.

„Vielleicht sollten Sie etwas Abstand nehmen, Miss Mary.“

Mary gehorchte und Dr. Miller tröpfelte die milchigen Flüssigkeiten aus den Reagenzgläsern in die Apparatur. Er eilte zu Mary und gemeinsam beobachteten sie, wie aus der Öffnung zunächst ein leises Zischen entwich. Grauer Rauch folgte und das Zischen wuchs zu einem gewaltigen Grollen an. Der Zylinder hüpfte hin und her. Der Druck im Inneren baute sich schneller auf, als er durch das Röhrchen entweichen konnte. Auf einmal sprang der Deckel ab. Metallteile flogen durch die Luft. Dr. Miller stellte sich schützend vor Mary, nahm sie in seine Arme. Ihr Herz raste – und das nicht nur wegen des explodierenden Apparats.

Viel zu schnell gab der Doktor sie wieder frei und begutachtete die Überreste seiner Gerätschaft, aus der nun eine dicke Rauchsäule emporstieg. Mary wollte schon fragen, was diese Apparatur hatte bewirken sollen, als sich im Himmel über ihr Wolken bildeten. Zunächst zaghaft und fein, aber schon bald bauschig, wuchtig und schwer. Dann setzte der Regen ein und Dr. Miller stemmte zufrieden die Hände in die Hüften.

„Eine Regenmaschine.“ Mary rannte zu dem Doktor und nahm  bei der Hand. „Sie haben eine Regenmaschine gebaut!“ Lachend tanzten sie durch den Regen, aber auch den hatten sie bald vergessen.

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Anmerkung:

Diese Kurzgeschichte ist im Rahmen meines Schreibstudiums entstanden. Der Anfang (bis zu den „…“) war vorgegeben, der Rest ist von mir. Ich wäre euch für Kritik sehr dankbar.

Viel Spaß beim Lesen! 🙂

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Bilder, die es nicht in meinen Manga geschafft haben

Posted in Bilder, Manga, Zeichnung with tags , , , , on 1. Juni 2014 by Marmeladenglasmuse

Ich bitte um Kritik: 🙂

crying muse

crying muse

victorian sadness

victorian sadness

Inspiration durch Rasterfolien

Posted in Allgemeines, Bilder, Manga with tags , , , on 26. Mai 2014 by Marmeladenglasmuse

Vor Kurzem kam meine neue Lieferung mit Rasterfolien und ihr glaubt gar nicht, wie motivierend es ist, neue Rasterfolien auszupacken. So wie andere Vertreterinnen weiblichen Geschlechts Stunden damit zubringen können, auf Schuhe zu starren, so kann ich meinen Abend damit füllen, in den Folien zu blättern und mir Geschichten auszumalen, in denen sie zum Einsatz kommen werden. Da passt es gerade recht, dass ich erst kürzlich auf einen Manga-Wettbewerb gestoßen bin. Es brennt mir unter den Fingernägeln endlich die Seiten zu tuschen und mit Rasterfolien zu verzieren.

Ihr dürft gespannt sein: An einigen Bildern, die es nicht in die fertige Geschichte schaffen werden, lasse ich euch demnächst teilhaben. Dann könnt ihr hemmungslos kritisieren und Verbesserungstipps geben. Ich bin euch jetzt schon für die Kritik dankbar. 🙂

LG, Jenni.

Persephones Rettung

Posted in Erzählungen, krimigeschichte, krimikurzgeschichte, Lockard-Krimi with tags , , , , , on 2. November 2013 by Marmeladenglasmuse

Was würdest du tun, wenn du nur eine Stunde hättest, um das Leben eines geliebten Menschen zu retten?

Nun, was meine Krimi-Heldin Sophie Lockard anstellen würde, kannst du hier lesen:

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Die Klinge glitt leicht durch mein Fleisch. Es tat fast nicht weh. Doch dann durchzog ein heftiges Brennen meine Schulter, grub sich in meine Brust und traf mein Innerstes.

Sanft und lautlos schwebten die Schneeflocken zu Boden, bedeckten ihn wie ein Leichentuch. So klar. So rein.

Rau und unbarmherzig ergoss sich mein Blut über diese unschuldige Pracht. Beschmutzte sie. Entweihte sie. Weiß. Rot. Dann brach die Dunkelheit über mir herein.

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ginger fairy

Posted in Bilder, Malerei, Manga, Zeichnung with tags , , , , , , on 19. März 2013 by Marmeladenglasmuse

ginger fairy

Daenerys Targaryen (Emilia Clarke)

Posted in Bilder, Zeichnung with tags , , , , , on 23. Februar 2013 by Marmeladenglasmuse

Game of Thrones 1

for Carolin

Posted in Allgemeines, Bilder, Zeichnung with tags , , , , , , on 23. Februar 2013 by Marmeladenglasmuse

A friend of mine recommended the book „Black for Rememberance“ written by Carlene Thompson to me. The very first pages inspired me to do this illustration. Therefore, this one is for you, Caro.

Schwarz zur Erinnerung 1